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Romanprojekte 2019, 1. Praxisaufgabe

Beitragvon Amelie » Di 18. Jun 2019, 12:55  


Zusammenfassung:
Das Kuckuckskind
 
Manche Leute behaupten, der Kuckuck sei ein Schmarotzer par excellence, da er seine Eier in fremde Nester legt und seine Brut von anderen Vogeleltern aufziehen lässt. Wer fragt schon danach, was ihn bewogen hat, diese Taktik anzuwenden? Immerhin gehört er zu den bedrohten Arten dieser Erde.
 
Sowohl Gunnar, ein ausgebrannter Arzt, als auch Liv, die einen Schicksalsschlag erlitten hat, sehnen sich nur nach einem: auszuspannen in der beschaulichen Feriensiedlung „De Grootlanden“ am Ijsselmeer. Die Geburt eines fremden Kindes hinterlässt eine blutige Spur, die weder Gunnar noch Liv ignorieren können, und die sie in die Auseinandersetzung mit Flucht, Gewalt und Prostitution zwingt. Zuvor kannten sie einander nur flüchtig, doch jetzt müssen sie eng zusammenarbeiten, um die Herausforderungen zu meistern.
Gunnar besitzt ein Ferienhaus mit eigenem Bootsanleger, das an der Schnittstelle zwischen einer Gracht und einem größeren Gewässer liegt, das wiederum dem Ijsselmeer vorgelagert ist. Schon als Kind kam er mit der Familie hierher und ist seitdem mit Mark, einem Einheimischen, befreundet, der u.a. in der Parkverwaltung arbeitet und den Bootsverleih betreibt. Als Gunnar eines Morgens ein auf dem Wasser treibendes Boot entdeckt, vermutet er, dass es eines von Marks Booten ist, das möglicherweise nicht richtig vertäut wurde. Daher fährt er auch gemeinsam mit dem Freund hinaus, um es zurückzuholen. Auf dem Wasser machen sie jedoch eine schaurige Entdeckung: das verwaiste Boot ist blutverschmiert und enthält Gewebefetzen, die wohl teils von Möwen auseinandergerissen wurden.
Liv, eine ebenfalls aus Deutschland stammende Hebamme, hat sich im Nachbarhaus eingemietet, das ihrer Tante Anne-Marie gehört. Nach dem Tod ihres ungeborenen Kindes und der Trennung von dem Kindsvater, hofft Liv hier ein wenig Frieden und Abstand zu finden, denn noch fühlt sie sich der täglichen Konfrontation mit werdenden Eltern und der Begleitung einer Geburt nicht gewachsen. Sie wird vom Ufer aus Zeugin, wie die Männer auf den blutigen Fund reagieren und verfolgt den daraufhin eingeleiteten Polizeieinsatz. Als feststeht, dass es sich bei dem entdeckten menschlichen Gewebe um eine Nachgeburt handelt, erfolgt eine großangelegte Suche nach Mutter und Kind, die zunächst erfolglos bleibt. Livs Bauchgefühl sagt ihr, dass das Baby noch lebt. Der Gedanke an das Schicksal der Mutter und an deren Kind, lenkt sie ein wenig von ihrer Trauer ab. Zwei Tage später wird Liv nachts von einer Schwerverletzten namens Amina aufgesucht, die ihr einen neugeborenen kleinen Jungen anvertraut und ihr das Versprechen abnimmt, sich um das Baby zu kümmern und niemandem von seiner Existenz zu erzählen. Sie weist eindringlich darauf hin, dass das Kind in Gefahr sei und dass der gewalttätige Vater den Jungen suche. Als Liv feststellt, dass der Akku an ihrem Handy leer ist, läuft sie rüber zu ihrem Nachbarn und bittet Gunnar um Hilfe, den sie nicht persönlich kennt und von dem sie bis dahin gar nicht weiß, dass er Arzt ist. Obwohl Gunnar Erste Hilfe leistet und umgehend einen Rettungswagen anfordert, stirbt Amina. Gunnar und Liv stellen überrascht fest, dass Amina nicht die Mutter des Babys sein kann.
Liv ist nun tatsächlich versucht, das Baby als ihr eigenes auszugeben und überlegt, ob sie Gunnar bitten kann, ihre Mutterschaft zu bestätigen. Die beiden beratschlagen, inwieweit man den Worten der sterbenden Frau Glauben schenken kann und wägen das Risiko für das Kind ab. Auch durchsuchen sie die Sachen der Fremden nach Hinweisen auf Herkunft und Identität. Nachdem sie feststellen, dass sie keinerlei Papiere mit sich führt, informieren sie schließlich doch die Polizei. Aufgrund der besonderen Umstände und um der Bitte der Überbringerin nachzukommen, darf der Säugling vorerst bei Liv bleiben. Ihr Haus steht fortan unter Beobachtung, da man sich die Frage stellt, warum das Baby ausgerechnet bei ihr abgegeben wurde. Auch hält man es für möglich, dass sich jemand nach dem Verbleib des Säuglings erkundigt und er tatsächlich in Gefahr schwebt.
Einige Tage später wird auch der Leichnam der Kindsmutter entdeckt, der ebenfalls schwere Misshandlungsspuren und Würgemale aufweist.
Die Ermittlungen der Polizei ergeben schließlich eine Spur: Sie führt ins Rotlichtmilieu. Eines der im Park befindlichen Ferienhäuser gehört einem Bordellbesitzer aus Amsterdam und dient quasi als Außenstelle für gut betuchte Geschäftsleute. Es stellt sich heraus, dass die Frauen ursprünglich in Hamburg festgehalten worden waren, bevor sie in die Niederlande gebracht wurden und dass sie sich illegal in der EU aufhielten. Liv und Gunnar ermitteln nun auch auf eigene Faust. Sie wollen herausfinden, aus welchem Land die Frauen ursprünglich stammten und ob der Junge noch Verwandte hat. Gunnar nimmt Kontakt zu der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ auf und reist schließlich selbst nach Libyen, in ein Flüchtlingslager, von wo aus die Frauen angeblich als Sexsklavinnen verkauft wurden. Tief erschüttert von den menschenunwürdigen Zuständen, kehrt er schließlich unverrichteter Dinge zurück. Einige Gefangene haben ihm von Greueltaten berichtet: Männer und Frauen wurden so lange vergewaltigt, bis sie verbluteten, Männern wurde der Penis abgeschnitten etc.. Da sich das Lager in einem Krisengebiet befindet, wird Gunnar bei einem Angriff von Rebellen angeschossen und nach Deutschland ausgeflogen.
Liv und Gunnar finden ihren Frieden darin, dass sie sich in der Flüchtlingshilfe engagieren und immer wieder über die Not und die Ausbeutung der Menschen berichten. Am Ende kommen sie als Paar zusammen und adoptieren den kleinen Jungen. Der Mann, der angeblich der leibliche Vater des Kindes sein soll, wird verhaftet, als er versucht das Kind zu entführen. Ein DNA-Abgleich zeigt, dass kein Verwandtschaftsverhältnis besteht. Da der Kleine relativ hellhäutig ist, vermutet man, dass einer der Bordellbesucher ihn gezeugt hat. Liv und Gunnar söhnen sich mit dem Gedanken aus, dass sie zwar nicht die ganze Welt zu retten vermögen, zumindest aber das Leben eines kleinen Jungen lebenswert gestalten können. Als sie letztendlich noch noch eine Verwandte des Babys ausfindig machen (Großmutter mütterlicherseits), ist diese überglücklich, dass zumindest ihr Enkel eine vielversprechende Zukunft vor sich hat. Sie wird fortan finanziell unterstützt und man beschließt, sich zu einem späteren Zeitpunkt zu besuchen.
 
 
 

 







Amelie
 
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Re: Romanprojekte 2019, 1. Praxisaufgabe

Beitragvon Bettina » Di 18. Jun 2019, 13:34  

Wow, Amelie, ich bin beeindruckt! Das klingt ziemlich professionell und fertig! Hast du schon was geschrieben?
Der Plot ist sehr spannend. Die beiden Protagonisten sind ein sehr interessantes Ermittlerduo mit ihren verschiedenen Päckchen, die sie so mit sich herumschleppen. Ich freue mich auch, dass es für beide und das Kind eine gute Zukunft zu geben scheint. 
Du traust dir viel Recherche Arbeit zu, Hut ab! Die Welt der Flüchtlingslager und des Rotlichtmilieus sind dir ja wahrscheinlich auch nicht "von Hause aus" geläufig.
Die Story ist wirklich toll ausgedacht. Ich entdecke keine Stolpersteine in der Logik. Du bist offensichtlich ein Krimi-Profi, oder? Auf jeden Fall freue ich mich schon auf deine Unterstützung!
Liebe Grüße!
Bettina
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Re: Romanprojekte 2019, 1. Praxisaufgabe

Beitragvon Katharina » Di 18. Jun 2019, 13:35  

Liebe Amelie,

wow, das hört sich richtig spannend an und ich werde es gern lesen!

Besonders stark finde ich, wie du einen sehr aktuellen Bezug (Vergewaltigungen in Flüchtlingslagern) aufnimmst und in deiner Geschichte unterbringst. Außerdem mag ich, wie du die Geschichte aufbaust, eine sehr krasse Ausgangssituation herstellst und bis zur Auflösung immer wieder neue Informationen einflechtest. Klasse Idee! Das wird sicher spannend.

Was ich mich frage:Liv überlegt zunächst, das Baby als ihr eigenes auszugeben. Würden da nicht Verwandte und Freunde stutzig wenn sie plötzlich mit Baby auftaucht? Oder weiß noch keiner von ihrem Verlust? Vielleicht könntest du es so drehen.

Und ich würde sehr gern mehr über das Schicksal der Kindesmutter erfahren. Da ist für mich noch eine Schwachstelle, die du näher beleuchten oder ausbauen solltest. Ich finde, es gibt bei Thrillern und Krimis nichts unbefriedigenderes, als wenn am Ende noch etwas unklar bleibt.
Hier mal meine Fragen zu der Mutter in willkürlicher Reihenfolge: Wie genau kam die Frau zu Tode? - ich vermute, der vermeintliche Kindesvater hat das getan? Oder der echte? Und wie kam eine hochschwangere Prostituierte überhaupt ans IJsselmeer? Flucht aus dem Bordell? Mit einem Freier? Und wer ist der vermeintliche Kindesvater, der das Kind am Ende entführen will? Ebenfalls ein Flüchtling? Oder ein Freier? Warum will er das Kind? Oder will er es töten, um etwas zu verschleiern? Und wer ist Amina? Eine Arbeitskollegin?
Das finde ich noch sehr verwirrend. Da ist eine Frau, die da offensichtlich nicht hingehört und ich weiß bis zum Schluss nicht, wie sie da hin kam. Tolle Ausgangslage auf jeden Fall, die zur großen Stärke deiner Geschichte werden kann, wenn du das klärst.

Eine Frage noch: Ist es in den Niederlanden so, dass der "Finder" ein Kind in Obhut behalten darf? Kommt es nicht IMMER zunächst in die Hände des Jugendamtes? Ist zwar eine schöne Vorstellung, aber zumindest in Deutschland, dürfte sie das Kind nicht bei sich behalten - auch nicht vorerst. Um Pflegemutter zu werden, sind viele Anträge und Behördengänge erforderlich und ein Baby wird nicht einfach so einer dem Jugendamt Fremden Person überlassen. Ist das in den Niederlanden anders?


Liebe Grüße,

Katharina
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Re: Romanprojekte 2019, 1. Praxisaufgabe

Beitragvon Amelie » Di 18. Jun 2019, 13:57  

Vielen Dank für Eure Rückmeldungen! Ich denke mir, dass man einer Hebamme aus ermittlungstaktischen Gründen vielleicht zeitweilig ein Kind anvertrauen würde. Allerdings ist das ein Punkt, den ich noch recherchieren muss. In Deutschland werden händeringend Familien für Bereitschaftspflege gesucht, aber in den Niederlanden kann sich die Situation ja ganz anders darstellen. Realistisch ist, dass das Kind zunächst im Krankenhaus untersucht wird und so habe ich es auch angedacht.
Amelie
 
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Re: Romanprojekte 2019, 1. Praxisaufgabe

Beitragvon AnnWolf » Di 18. Jun 2019, 14:21  

Hallo Amelie,

dein Text liest sich schon wie eine Kurzgeschichte und klingt sehr spannend. Der Spannungsbogen beginnt ganz oben und dort Endet auch fast wieder Deine Geschichte. Der Plot ist sehr gut durchdacht.

Natürlich wäre es sinnvoll, in etwa die Gegebenheiten in den Niederlanden zu kennen was das rechtliche Geschehen angeht, zwecks Vermittlung von Pflegekindern ec. Aber zu Not kann sie diese Zulassung oder was auch immer ja aus irgendeinem Grund besitzen. Ich habe letztlich einen Tartort gesehen der sehr unrealistisch endete, das hat am Ende aber auch keiner in Frage gestellt. Also vielleicht ein Detail was man nicht zu sehr auf die Waage legen sollte. Anderer Dinge vielleicht dann wieder mehr. Die Gegebenheiten in einem Flüchtlingscamp würde ich zum Beispiel genau recherchieren, denn dort macht genaue Recherche dein Projekt dann auch glaubhaft.

Ich bin gespannt wie es wird wenn die Charaktere entwickelt sind.

Liebe Grüße Anne
AnnWolf
 
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Re: Romanprojekte 2019, 1. Praxisaufgabe

Beitragvon Jessica » Di 18. Jun 2019, 19:04  

Hallo Amelie,

dein Plot gefällt mir gut. Sicherlich wirst du da einiges an Recherche-Arbeit auf dich nehmen müssen. 
Aber du wirst daraus sicherlich ein spannendes Buch machen können.

Einige Fragen tauchen allerdings beim Lesen bei mir auf. Ich schreibe sie dir mal in deinen jeweiligen Textabschnitten dazu. Vielleicht kannst du damit was anfangen.

Obwohl Gunnar Erste Hilfe leistet und umgehend einen Rettungswagen anfordert, stirbt Amina. Gunnar und Liv stellen überrascht fest, dass Amina nicht die Mutter des Babys sein kann.
(Wie kann man denn das so auf die Schnelle zuhause feststellen?)

Die beiden beratschlagen, inwieweit man den Worten der sterbenden Frau Glauben schenken kann und wägen das Risiko für das Kind ab. Auch durchsuchen sie die Sachen der Fremden nach Hinweisen auf Herkunft und Identität.
(Nachdem sie den Rettungswagen geholt haben? Während die Sanitäter/Ärzte noch da sind? Oder haben diese die Frau einfach so tot da in der Ferienwohnung liegen lassen? Lassen sie es zu, dass die beiden einfach so die Sachen durchwühlen?)

Nachdem sie feststellen, dass sie keinerlei Papiere mit sich führt, informieren sie schließlich doch die Polizei.
(Hätte der gerufene Rettungsdienst das nicht nach dem Feststellen des Todes automatisch gemacht?)

Aufgrund der besonderen Umstände und um der Bitte der Überbringerin nachzukommen, darf der Säugling vorerst bei Liv bleiben.
(Das entscheidet die Polizei? Ist das so üblich?)

Ihr Haus steht fortan unter Beobachtung, da man sich die Frage stellt, warum das Baby ausgerechnet bei ihr abgegeben wurde.
(Das würde ich auch gern wissen – warum gerade Liv? Klärst du das noch auf?)

Der Mann, der angeblich der leibliche Vater des Kindes sein soll, wird verhaftet, als er versucht das Kind zu entführen.
(Ist der der Mörder der leiblichen Mutter? Warum sollte er dann ein solches Risiko eingehen und das Kind entführen? Er ist doch fein aus der Sache rausgekommen? Was will er mit dem Kind?)


Ich überlege auch noch, wie die beiden es zum Schluß schaffen, die Großmutter mütterlicherseits ausfindig zu machen.  Warum unterstützen die beiden sie dann noch finanziell? Einfach weil sie es können und wollen? Oder weil Liv gezielt ausgesucht wurde, in der Hoffnung, dass sie sich nicht nur um das Kind kümmert, sondern auch die restliche Familie (in dem Falle die Großmutter) ? Für mich ist die Geschichte um den Tod der Mutter noch  etwas schwammig - Wer ist diese Frau, die das Kind brachte? Hat dein Titel und die Erklärung über den Kuckuck als Schmarotzer da einen tieferen Sinn? 
Vielleicht interpretiere ich da aber zu viel hinein.

Wie auch immer, ich mag es, wenn Geschichte einen zum nachdenken und miträtseln anregen. Das hast du mit dem Plot schonmal geschafft. 
Ich bin gespannt auf den weiteren Verlauf deiner Geschichte.

Liebe Grüße
Jessica
















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Re: Romanprojekte 2019, 1. Praxisaufgabe

Beitragvon Amelie » Mi 19. Jun 2019, 12:31  

Liebe Anne, liebe Jessica,
vielen Dank für Eure Rückmeldungen. Ich hoffe, dass die volle Handlung alle Fragen beantworten wird, aber ein kritischer Blick von außen ist immer Gold wert, damit man am Ende nichts vergisst.
Viel Erfolg bei Euren Werken, ich arbeite mich nach und nach durch alle Plots durch.
Amelie
 
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Re: Romanprojekte 2019, 1. Praxisaufgabe

Beitragvon W.Ritten » Mi 19. Jun 2019, 14:34  

Liebe Amelie,

der Plot ist dir gut gelungen. Ich bin neugierig auf die Story und vor allem auf die Figurenentwicklung. Ein Arzt und eine Hebamme als Ermittlerpaar hat etwas! Dass die beiden am Ende zusammenkommen, verspricht, neben den spannenden Elementen, eine Liebesgeschichte.
Ich bin gespannt auf die Fortentwicklung deines Projekt und freue mich, dir dabei etwas über die Schulter schauen zu können. 

Viele Grüße und wir lesen uns
Sabine
W.Ritten
 
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Re: Romanprojekte 2019, 1. Praxisaufgabe

Beitragvon Elke » Fr 21. Jun 2019, 11:45  


Hallo Amelie,
 
die Story hast du bis hierher schon wunderbar voran gebracht, finde ich.
Das Thema „Kuckuckskinder“ ist wunderbar spannend. Dazu steht es noch vor der Flüchtlingsproblematik. Nun schreib schnell dein Werk zu Ende, denn es ist brandaktuell. Und wenn du einmal einen Roman geschrieben hast, dann machst du im kommenden Romanseminar wieder mit und schreibst an deinem zweiten …. ich würde sagen, Hollandkrimi. Hollandkrimi für Deutsche Strandurlauber. Klingt easy und es IST easy.
 
Zu deinem Plot:
 
Die Geburt eines fremden Kindes hinterlässt eine blutige Spur, die weder Gunnar noch Liv ignorieren können, und die sie in die Auseinandersetzung mit Flucht, Gewalt und Prostitution zwingt. Zuvor kannten sie einander nur flüchtig, doch jetzt müssen sie eng zusammenarbeiten, um die Herausforderungen zu meistern.

 
Den Kuckuck-Prolog finde ich sehr sehr gut.
Doch hier entgleitet mir als Leserin das Ganze. Ich schreibe es dir mal in Klammern:


Die Geburt eines fremden Kindes hinterlässt eine blutige Spur [wo sind wir jetzt?], die weder Gunnar noch Liv ignorieren können, und die sie in die Auseinandersetzung [ihre partnerschaftliche? Oder eine Fehlgeburt? Oder die eines Kuckuckskindes?] mit Flucht, Gewalt und Prostitution [huch, wie das?] zwingt. Zuvor kannten sie einander nur flüchtig, doch jetzt müssen sie eng zusammenarbeiten [sind sie Liebende, Kollegen oder Prostituierte und Zuhälter?], um die Herausforderungen [welche?] zu meistern.
 
Sag es einfach in einfachen Sätzen.
 
Der Gedanke an das Schicksal der Mutter und an deren Kind, lenkt sie ein wenig von ihrer Trauer ab. Zwei Tage später wird Liv nachts von einer Schwerverletzten namens Amina aufgesucht, die ihr einen neugeborenen kleinen Jungen anvertraut und ihr das Versprechen abnimmt, sich um das Baby zu kümmern und niemandem von seiner Existenz zu erzählen.

 
Es dreht sich wirklich alles um Schwangerschaft?
Ich meine, ist es nicht ein Zuviel des schwangeren Zufalls?
 
… Umstände und um der Bitte der Überbringerin nachzukommen, darf der Säugling vorerst bei Liv bleiben.

 
Wer entscheidet das?
Im Sinne einer Dramaturgie: wäre es nicht spannender, das Paar gäbe sich mit Haut und Haaren als Eltern aus?
Dann wäre es für die Leser spannender, die ja hier in einem quasi Wissensvorsprung sind.
 
Sie führt ins Rotlichtmilieu. Eines der im Park befindlichen Ferienhäuser gehört einem Bordellbesitzer aus Amsterdam und dient quasi als Außenstelle für gut betuchte Geschäftsleute.

 
Es bleibt weiterhin spannend. Sehr gut.
Ich möchte dennoch genau die Spannungskurve einmal visualisieren: So lange es um Leben und Tod geht, auch um das Verstecken des Babys, hältst du die Spannung im Anschlag. Hier fangen die Ermittlungen an und es kann automatisch nicht mehr DIE Spannung wie zu Beginn haben.
 
… dass die Frauen ursprünglich in Hamburg festgehalten worden waren, …

 
Ich muss mal Zwischenfragen: Hier geht es um die leibliche Mutter des Babys und um Amina?
Waren die beiden dunkelhäutig?
Afrikanerinnen?
Oder kommen sie aus dem Libanon?
Wie sieht das Baby aus – Hautfarbe?
Solche Fragen müssen nicht immer stimmig gelöst sein, sondern man entscheidet sich dafür, was am meisten Konfliktpotential hat. Daher ist es für die Figuren schwieriger, wenn das Baby einmal dunkelhäutig werden wird, und was schwierig ist, ist dann am Ende auch spannend zu lesen. Also: mach es allen schwer. ;-)
 
Sie wollen herausfinden, aus welchem Land die Frauen ursprünglich stammten und ob der Junge noch Verwandte hat.

 
Sie haben aber jetzt auch gemeinsam ein Baby zu versorgen?
 
Da sich das Lager in einem Krisengebiet befindet, wird Gunnar bei einem Angriff von Rebellen angeschossen und nach Deutschland ausgeflogen.
Liv und Gunnar finden ihren Frieden darin, dass sie sich in der Flüchtlingshilfe engagieren …

 
Wie viel Zeit verstreicht hier?
Ist das Baby inzwischen ein Kleinkind?
 
Der Mann, der angeblich der leibliche Vater des Kindes sein soll, wird verhaftet, als er versucht das Kind zu entführen.

 
Huch, das ist doch noch einmal eine geballte Ladung Action.
Hier würde ich aufpolstern.
 
… zumindest aber das Leben eines kleinen Jungen lebenswert gestalten können. Als sie letztendlich noch noch eine Verwandte des Babys ausfindig machen (Großmutter mütterlicherseits), ist diese überglücklich, dass zumindest ihr Enkel eine vielversprechende Zukunft vor sich hat. Sie wird fortan finanziell unterstützt und man beschließt, sich zu einem späteren Zeitpunkt zu besuchen.

 
Hier würde ich auch noch einen kompletten Handlungsstrang dazu erdichten.
Also: wie sie der Großmutter aufspüren und wie die Suche erst ins Leere läuft, später von Erfolg gekrönt ist. Ggf. kann an auch taktisch vorgehen, etwa dergestalt, dass die Großmutter nur vorgibt, Großmutter zu sein, dass man das schnell erkennt: sie will die reichen Weißen nur finanziell ausbeuten, dass man aber jetzt hier auf einen Gen-Test verzichtet, weil es doch schlussendlich Wurscht ist und man nur noch das Glück des Kindes im Visier hat, das ja eine liebende (wenn auch gegen Geld) Großmutter gefunden hat.
 
Dramaturgisch sollten hier noch ein paar Zöpfe mit eingeflochten werden. Die Story geht gleich zu Beginn absolut in die Vollen und sackt dann unter Niveau in der Spannung ab. Beim Schreiben wirst du wahrscheinlich bemerken, dass du genau bis zu der Stelle Spaß hast, an der die Ermittlungen losgehen. Hier hat die Geschichte einen Tiefpunkt, wie ich denke, und ich würde genau da den Daumen drauf legen: wir brauchen einen parallelen Handlungsstrang, der der Spannung einheizt. Lass doch das Baby hier verschwinden. Und/oder du baust eine zweite Erzählperspektive dazu: Es könnte jemand ein Geschäft wittern damit, das Baby zu entführen und es dann für viel Geld zum Freikaufen wieder anbieten. Meine kriminelle Energie geht so weit, dass man eine Webcam anbringt, die das Baby live zeigt, wie es sich selbst überlassen … tagelang … du weißt, ich ziehe mich für jede Spannung aus, sozusagen. ;-)
 
Mich interessiert auch die Prämisse hier.
Du hattest den Kuckuck voran gestellt.
Am Ende findet man seinen Seelenfrieden zugunsten eines glücklichen Lebens.
Das Kind soll es einfach gut haben. Punkt.
Ich finde das okay, aber die Kuckucksfrage darfst du auch über die Mitte des Plots nicht aus den Augen verlieren, also in diese Richtung: die leiblichen Eltern sind nicht immer gut zu der eigenen „Brut“, wohingegen die Nicht-Leiblichen oft die Besseren sind.
 
Soweit meine Ideen.
Auf den fertigen Krimi freue ich mich aus geografischen Gründen schon jetzt. :love:
 
Herzliche Grüße,
schickt Elke
 
P. S. ich lese eben die Kommentare …
 
In Deutschland werden händeringend Familien für Bereitschaftspflege gesucht, aber in den Niederlanden kann sich die Situation ja ganz anders darstellen. Realistisch ist, dass das Kind zunächst im Krankenhaus untersucht wird und so habe ich es auch angedacht.

 
Ich denke, hier läufst du Gefahr, dich absichern zu wollen, was einem belletristischen Ziel entgegen läuft: die Spannung zu halten. Dadurch entsteht eine Diskrepanz, die prima durch die Figuren ausgelebt werden kann:


Sie: „Verstehst du, ich habe Muttergefühle und die werden mehr und nicht weniger, wenn ich das Bany noch länger bei mir behalte.“
Er: „Wir könnten es adoptieren. Ganz legal.“
Se: „Wir könnten auch sagen, wir haben es bekommen?“
Er: „Wir sind nicht in Deutschland, kennst du die Gesetze hier?“
etc. pp.
 
Bevor deine Leser es in Frage stellen, haben deine Figuren es bereits diskutiert.
 
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Re: Romanprojekte 2019, 1. Praxisaufgabe

Beitragvon Jet Rink » Fr 21. Jun 2019, 15:57  

Hallo,


hat mich sofort in die Geschichte gezogen. Ich liebe Krimis. Der Start, als Intro der Vergleich aus dem Vogelreich, finde ich auch sehr gelungen. Die verschlungenen Pfade der Geschichte bieten viel Potenzial, aber für den Anfang hätte ich mir eine strukturiertere Gliederung gewünscht. Es ist soviel darin, dass, wenn du das ausgearbeitet hast, dann riecht es mir nach 800 Seiten, oder so. Und die versprechen aber auch noch spannend zu werden!

Viel Erfolg!

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