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Orchesterkrimi

Beitragvon Bettina » Mo 17. Jun 2019, 17:40  


Erster Antrieb zu dem Orchesterkrimi (existiert schon seit 30 Jahren!):


Das unglaublich emotionale, leidenschaftliche, konfliktträchtige Biotop „Orchester“, mit seinen extrem individualistischen Einzelkämpfern, die jeden Tag aufs Neue miteinander verschmelzen müssen, die permanent unter Druck und Strom stehen. Wo ein kleiner Funke Explosionen auslösen kann.


Die Perspektive: 
Es soll aus der Sicht des Orchesterwarts (das ist der, der die Stühle und Pulte aufbaut, die großen Instrumente heran schleppt, die Noten sortiert) erzählt werden. Der O.wart ist immer da, aber niemand nimmt ihn wirklich wahr. Er verschmilzt mit dem Hintergrund. Das macht ihn zum perfekten Beobachter.


Durch den Lehrbrief ist mir erst klar geworden, dass dieser Beobachter damit zur Hauptperson wird und eine Geschichte, ein Ziel, einen Konflikt braucht. In meinem Kopf war immer das Orchester als Ganzes die Hauptperson.


Mein Orchesterwart ist ein abgebrochener Philosophiestudent, der alles mögliche gearbeitet hat, nirgends richtig erfolgreich war und in jeder Hinsicht auf der Suche ist. Er ist nicht mehr ganz jung - in den 40ern. Er erträgt die Gleichgültigkeit bis Unverschämtheit der Musiker mal besser, mal schlechter. Er beobachtet sehr genau mit intelligentem und analytischem Humor. Dass er für sehr viel harte Arbeit und denkbar ungünstige Arbeitszeiten nur sehr wenig Geld verdient, frustriert ihn. Andrerseits ist er froh, dass er eine feste Stelle gefunden hat. 
Er hat keine Freundin und er macht sich wenig Hoffnung, bei diesen Arbeitszeiten jemanden kennenzulernen. Er schwärmt aus der Ferne für die Solocellistin, was niemand erfahren darf.
Auch er hätte ein Motiv: Die Solocellistin ist verliebt in das spätere Mordopfer und wird von diesem ausgesprochen fies behandelt. Das heißt, der O.wart ist nicht so unglücklich über den Mord. Ich glaube aber, dass er ihn letztlich aufklären wird.


Das Opfer ist ein typisches Orchesterekel. Alle hassen oder fürchten ihn. Er ist aggressiv, launisch, egozentrisch, unsozial. Leider ist er ein überragender Musiker, deshalb kann er sich viel erlauben und wird vom Chef mit Samthandschuhen angefasst. Außerdem kann er sehr charmant sein, so dass immer wieder Frauen auf ihn hereinfallen. Fast jeder im Orchester hätte ein Motiv, ihn umzubringen. Auch der Dirigent und die Geschäftsführerin. Er hat eine führende Position im Orchester, wahrscheinlich Solobläser, vielleicht auch Konzertmeister.


Die einzelnen Kapitel sollen wie „Ein Roman = viele Kurzgeschichten“ Episoden aus dem Alltag erzählen (vielleicht an einer Premierenvorbereitung entlang), immer wieder Krisen, Zoff und Frust. Dabei die Gelegenheit, die verschiedenen Typen - den Zyniker, den Hysteriker, den Drückeberger, den Oberlehrer, den Alkoholiker, den Übereifrigen, den Verbissenen, den Chef-Liebling, den Samariter, den ewig Leidenden - im Orchesteralltag vorzuführen. Stilistisch auf jeden Fall mit satirischer Übertreibung und viel Humor. Der rote Faden müsste der beobachtende O.wart sein, der eine Zuspitzung der Konflikte wahrnimmt, aber zunächst nicht den Täter im Visier hat. Außerdem steigert er sich privat immer mehr in seine aussichtslose Schwärmerei für die Solocellistin hinein, was zusammen mit dem ihn geistig unterfordernden Berufsalltag zu zunehmendem Frust, Verzweiflung und eventuell auch Hass auf das Opfer führt. 


Ich weiß nicht, ob das als Bogen über das Ganze funktioniert. 


Ich weiß auch nicht, wieviel Personal ein Roman verträgt. Einige (wieviele?) Musiker müssen auch noch deutlich werden, mit Namen und Hintergrund, andere vielleicht nur mal mit ihrem Instrument vorkommen. 


Wer der Täter ist, weiß ich noch nicht. Auf jeden Fall muss es jemand sein, den man nicht wirklich auf dem Schirm hat. Der Grund, weshalb er die Tat ausführt, muss noch stärker sein als bei den übrigen Kollegen; er könnte auch in der Vergangenheit liegen. Das Motiv darf erst nach und nach enthüllt werden. Der Leser soll es zusammen mit dem O.wart allmählich rauskriegen.


Ich könnte mir auch einen Schluss vorstellen, in dem der Täter nicht gefasst wird. Vielleicht deckt ihn der O.wart, vielleicht sogar einige Musiker. Das Opfer war ein Mistkerl, kann sein, dass der Leser (und ich!) den Täter mag und ihn nicht gerne hinter Gittern sähe. Zurzeit liebäugle ich mit einem bloßen Mordversuch, den der O.wart verhindert.


Auf jeden Fall wird der Orchesterwart am Ende nicht Orchesterwart bleiben. Die Solocellistin kriegt er aber auch nicht. Ich glaube, er wird Schriftsteller und schreibt einen Orchesterroman.






Zu deinen Fragen, Elke:
Die Hauptfigur hat ein Ziel, was hindert sie, das Ziel zu erreichen?
Der O.wart ist mit sich und seinem Leben unzufrieden, kriegt aber den Hintern nicht hoch. Im Laufe des Romans erkennt er, dass er aus seiner Komfortzone und dabei aus seinem Schattendasein heraus muss, wenn er glücklich und gesehen werden will.


Die Ausgangssituation
sehe ich eigentlich ein bisschen wie im Theater: alle begeben sich in Position und stellen sich vor. Durch die Brille des O.warts lernt der Leser nach und nach alle wichtigen Mitspieler kennen. Natürlich gleich mit dem ersten kleinen Knatsch im Orchester. Die Unzufriedenheit des Protagonisten blitzt schon durch, aber mit Galgenhumor und leichtem Phlegma.


Prämisse? Motto?
Ein Orchester ist ein schönschreckliches Gebilde, in dem man sterbensglücklich werden kann.


Oder, auf den O.wart und dessen Entwicklung bezogen: 
„Besser spät als nie“ oder „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ oder „Wo ein Wille da ein Weg“




DER Musiker, DER Täter, DER Solobläser, usw. - können alle auch Frauen sein. Hab ich noch nicht entschieden. Nur der Orchesterwart und das Opfer sind Männer, die Solocellistin ist natürlich eine Frau.


Als begeisterte Krimileserin habe ich einen höllischen Respekt vor der Konstruktion: den falschen Spuren und den Verdächtigen, die es dann doch nicht sind und dem Schluss, an dem alle Fäden zusammenfinden müssen. Ich sehe Parallelen zu einer geradezu mathematischen Logik - und ich war leider immer schlecht in Mathe!
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Re: Orchesterkrimi

Beitragvon barbara » Mo 17. Jun 2019, 19:28  

Liebe Bettina,


ich glaube, du hast eine große Vision! Es klingt jetzt schon richtig spannend!

An deinem Text merke ich, dass du dir bei einigen Aspekten schon sehr, sehr sicher bist; was einerseits gut ist, da du ein Ziel hast. Andererseits vermute ich, dass gerade das Genre "Krimi" mit den Verwickelungen, die du in deinem letzten Abschnitt formulierst, dir viele Male umarbeiten und überarbeiten bringen wird. Kämst du damit klar, einmal gefasste Entscheidungen wieder zu überdenken und ggf. in die Schublade zurück zu stecken? Oh, das war ein recht negativer Start; das wollte ich nicht, sorry - aber ich lass es stehen, weil das ein Punkt ist, den ich auch erst lernen musste.

Aber diese Befürchtungen waren einfach das erste, was mir zu Elkes Fragen einfiel. Da du dich viel besser kennst als ich dich - eigentlich gar nicht ;-)  - kannst du das bestimmt ganz gut einschätzen.


Nun zu dem Positiven: Was ist das Besondere an deiner Romanidee? Da ich selbst Musikerin bin - allerdings nur Hobby, nicht beruflich - wäre das Thema "Musik und Orchester" für mich etwas, was ich sofort lesen würde; dies in Verbindung mit einer Kriminalgeschichte zu bringen, ist eine tolle Idee! Ich glaube, dein großer Vorteil ist, dass du über etwas schreibst, wovon du wirklich Ahnung hast. Das zu überspitzen und mit Ironie zu würzen, lässt wahrscheinlich jeden Musikliebenden sofort dein Buch kaufen. - A prospos: Kennst du Terry Pratchett? Er hat einen satirischen Roman zum "Phantom der Oper" geschrieben, "Mummenschanz" ; daran musste ich sofort denken, da es auch dort einen unscheinbaren Beobachter gibt, den keiner so richtig wahrnimmt, er ist allerdings eher Hausmeister als Orchesterwart. Auf jeden Fall sehr lesenswert - wie eigentlich fast alle Pratchett-Romane.


So, was fällt mir noch ein? Deine Fragen zu den Figuren. Ich vermute mal, du wirst zu Beginn zu viele haben und sie dann wegstreichen, das wird sich entwickeln. Wenn du aber die Stereotypen darstellen und den Lesern eine Auswahl an möglichen Tätern bieten möchtest, dann brauchst du schon einige. Manche Autoren nutzen dann den Trick der sprechenden Namen/Spitznamen, sodass die Leser besser den Überblick behalten.


Soweit mein erster Eindruck. Ich bin gespannt, wie sich der Austausch hier über dein Projekt gestalten wird. Natürlich schau ich auch wieder hier rein :-)


Bis später und liebe Grüße


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Re: Orchesterkrimi

Beitragvon Vivienne » Mo 17. Jun 2019, 21:45  


Mein erster Gedanke war: "Mord im Orientexpress".
Viele Menschen, auf engstem Raum und zunächst hat jeder und auch niemand ein Motiv. Bis der Ermittler beginnt. Wird der Orchesterwart dein Ermittler werden?
Und dann kommt das spektakuläre Ende!
Hut ab. Ich finde einen Krimi zu schreiben, ist eine ganz schwierige Sache. Aber du scheinst mir vertraut mit dem Genre.

Ich mag den stillen Beobachter, der alle genau kennt und weiß, wie wer tickt. Außerdem finde ich dein Ende gut. Der Mörder soll nicht gefasst werden. Dann gib ihm ganz viele Sympathiepunkte, damit der Leser das verkraftet. Happy End kann irgendwie jeder. Ich mag außergewöhnliche Enden.
 
Ich finde es sehr schwer so viele Figuren zu haben. Überlege dir gut, wie viele du wirklich brauchst. Denn jeden musst du einführen, jeden musst du so gut kennen, wie dich selbst. Jede Figur hat ihren Zweck und ihren Charme. Hat sie keinen Zweck, dann muss sie weg. Arbeite nicht mit zu vielen Klischees. Dein Mordopfer scheint voll davon zu sein. Jeder Mensch hat auch gute Eigenschaften. Setze Klischees gut dosiert ein. Letztendlich wird sich das im Laufe der Geschichte herausstellen. Es ist schließlich ein Prozess des Schreibens und Streichens und nochmals schreiben...

Ich musste etwas grinsen bei deinem Satz hier:
„Die Solocellistin kriegt er aber auch nicht. Ich glaube, er wird Schriftsteller und schreibt einen Orchesterroman.“

Vielleicht bist du ja der Mörder? Ich meine es ist dein Manuskript, du kannst alles sein.;)

Ich bin gespannt, wie es weiter geht :)
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Re: Orchesterkrimi

Beitragvon Jessica » Mo 17. Jun 2019, 23:37  

Hallo Bettina,

als Krimi-Liebhaberin war ich natürlich gespannt auf deinen Plot.

So ein Orchester scheint ein guter Tummelplatz für außergewöhnliche Charaktere zu sein. Sicherlich wird sich da noch der geeignete Mörder finden.
Vermutlich brauchst du einiges an Personal, wenn du in einzelnen Kapiteln die Episoden des Orchesteralltags beschreiben willst. Soll in jedem Kapitel ein/e Musiker/in abgehandelt werden?

Ich stell es mir schwer vor, so viele Personen auszuarbeiten. Es wird womöglich auch  für den Leser unübersichtlich. Möglicherweise kannst du nur ein paar Verdächtige liefern?

Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf deinen satirisch-humoristischen Orchesterkrimi.

Liebe Grüße
Jessica
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Re: Orchesterkrimi

Beitragvon AnnWolf » Di 18. Jun 2019, 09:32  


Hallo Bettina,
ich finde die Idee super und sehr stimmig. Wenn Du sie schon seit dreißig Jahren hast, steckst Du ja selbst auch ziemlich tief in Deinem Krimi. Eigentlich lese ich keine Krimis, aber den würde ich glatt lesen;-)
Die Idee aus der Perspektive des O`Warts zu schreiben macht Sinn, ihn als roten Faden durch die Geschichte zu führen ist gut. Allerdings ist es für den Leser und vermutlich sogar für Dich leichter die Charaktere darzustellen, wenn Du aus dessen Sicht schreibst. Ich persönlich lese sehr gerne in der ich-Perspektive und kann mich auch selbst beim Schreiben besser in meine Prosas reinversetzen, wenn ich aus ihrer Perspektive schreibe. Ich stelle es mir auch ganz witzig vor, du könntest den unterschiedlichen Humor, die Depression oder Arroganz auch viel besser darstellen, wenn man in der Person bleibt und gerade, wenn es so viele sind, bleiben sie so vielleicht auch dem Leser besser im Kopf.
Ich habe ja die Hoffnung, dass ich während des schreibens der einzelnen Kapitel auch meine Prosas in ihrer Entwicklung voranbringe und du vielleicht auf diesem Wege den Mörder findest?
Liebe Grüße Anne
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Re: Orchesterkrimi

Beitragvon W.Ritten » Di 18. Jun 2019, 09:37  


Liebe Bettina,

ich bin eine begeisterte Krimileserin und finde dein Projekt sehr interessant.
Ich kann mich nicht daran erinnern, bereits einen Krimi gelesen zu haben, der in der Orchesterwelt verortet ist.
Ebenso, wie beim Theater werden viele exzentrische Figuren die Bühne betreten. Ich musste da an Agatha Christies „Vier Frauen und ein Mord“ denken.
Das Milieu, das du darstellst, ist also ein ganz besonderes. Dazu interessante Figuren. Einzelkämpfer, die hauen und stechen, verschüchterte große Talente und, und, und, - dazwischen der etwas introvertierte Orchesterwart. Ein Protagonist, der sie im Geheimen alle im Blick hat und mit dem niemand rechnet.
Ich würde das sehr gerne lesen wollen.
Schwierig finde ich tatsächlich, die falschen Fährten zu konstruieren und am Ende alle Knoten und angerissenen Handlungsstränge schlüssig aufzulösen. Dein Vergleich mit der Mathematik passt da prima biggrin
 
Ich mag klare Schlussstriche. Ich würde beim Lesen also einen vollendeten Mord einem Mordversuch vorziehen. Wenn es gut konstruiert ist, dann darf der sympathische Mörder seiner Strafe – wie auch immer – aber gerne entgehen.
Ein Krimi, in dem es um die Ermittlung in einem Mordversuch geht, könnte meine Erwartungen enttäuschen, fürchte ich.
Ich würde beim Lesen immer erwarten, dass da doch noch etwas passiert.
 
Zu deinen Ausführungen hinsichtlich der Anzahl der Figuren kann ich nur sagen, dass ich so viele ins Rennen schicken würde, wie sie für die Geschichte von Nöten sind. Sie könnten durch ihre Handlungen, Gedanken, Äußerungen tatverdächtig sein oder irgendwie mit dem Protagonisten oder dem Täter verbunden sein.

Ein wirklich spannendes Projekt. Ich bin gespannt wie es sich in den nächsten Wochen entwickelt. Ich freue mich darauf.
 
Liebe Grüße
Sabine
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Re: Orchesterkrimi

Beitragvon Bettina » Di 18. Jun 2019, 11:13  

Ihr Lieben!
Danke für eure Kommentare! Ihr habt die Finger in die Wunden gelegt, die mir auch noch Kopfzerbrechen bereiten:
Die Eindimensionalität des Opfers (obwohl - es GIBT solche Ekel! Vielleicht sind sie zu Hause nett zu ihrem Hund...), die eventuell zu große Zahl an Mitspielern, die Konstruktion der vielen Spuren und Verdächtigungen...
Ich sehe noch ein großes weiteres Problem, für das ihr alle als Nicht-Musiker die richtigen Sparringspartner seid: die fachlich musikalische Seite.
Natürlich habe ich meine Orchesterkollegen als potentielle Leser im Hinterkopf, die sich auskennen und amüsieren sollen und sagen: Genauso ist es!
Dann aber auch die Nicht-Musiker, die nicht wissen, was eine Oboe und ein Fagott ist und dass Berufsmusiker üben und proben müssen - wieviel Infos brauchen und (vor allem!) wieviel vertragen sie? Es würde mir schwer fallen, die Realität zu verändern, nur damit es leichter zu verstehen ist. Ist ein Orchesteralltag für einen Laien überhaupt nachvollziehbar? 
Danke für deinen ersten Absatz, Barbara! Ja, einiges steht sozusagen fest: der Schauplatz, die Perspektive, der satirisch-humoristische Charakter.
Das ändere ich sicher nicht. Dann müsste ich einen anderen Roman schreiben. Kann aber sein, dass ich feststelle: ich krieg's nicht hin. Dann gebe ich's auf, dieses Projekt. Halte ich für denkbar.
Die eigentliche Krimihandlung steckt noch im Ausprobierstadium. Wenn eine überzeugend (mit Betonung!) andere Idee kommt, könnte ich da neue Wege einschlagen. Muss mir natürlich irgendwie entsprechen. Bisher haben sich meine Figuren und Handlungsstränge erst beim Schreiben so richtig entwickelt. Wenn ich den richtigen Tonfall gefunden habe, kriegen die plötzlich ein Eigenleben und marschieren drauf los, manchmal anders als geplant. Deshalb würde ich am liebsten gleich loslegen mit dem Schreiben...!
Also, bitte testet gerne meine Bereitschaft, neu zu denken! Ich bin gespannt!
Liebe Grüße!
Bettina
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Re: Orchesterkrimi

Beitragvon Amelie » Di 18. Jun 2019, 18:58  

Liebe Bettina,

ich finde Deine Ideen zu einem Orchester-Krimi sehr originell und bin gespannt darauf, wie Du die Handlung entfalten wirst. Ich würde vermutlich mit der Gestaltung der einzelnen Charaktere beginnen, wie das bei Dir ja auch schon anklingt, sie mit bestimmten Angewohnheiten und Attributen versehen, die sie vielleicht später als Täter überführen werden. Natürlich kann man Verdachtsmomente auch über zeitliche Abfolgen erzeugen (wer war wann wo?) und die Anzahl der Verdächtigen nach und nach reduzieren. Vielleicht spielt das Orchester zum Zeitpunkt des Mordes ja auch auf einer Bühne mit ungewöhnlicher technischer Ausstattung, die im Detail erst später bekannt wird, wie etwa eine verborgene Tür, o.ä.? Oder ein in Gift getränktes Mundstück? Jemand plaziert das Nest des Eichenprozessionsspinners im Instrument des Mordopfers, das Allergiker ist? Du siehst:: Ich spinne einfach mal ein bisschen rum, weil Du noch auf Ideensuche bist und weil ich das Thema fesselnd finde. Vielleicht ist am Ende ja auch gar kein realer Mord passiert und alles hat sich nur in der Fantasie abgespielt?

Liebe Grüße

Amelie
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Re: Orchesterkrimi

Beitragvon Elke » Do 20. Jun 2019, 11:52  


Hallo Bettina,
 
ich war auch an "Mord im Orientexpress" erinnert, aber noch mehr an „Opera Fatal: Die haarsträubende Suche nach den verschwundenen Noten“ – kennst du das?
Ein Mord – und jed/r könnte es gewesen sein.
 
Dann aber wieder nicht. Du lavierst zwischen Mord und Komödie, zwischen einer hochernsten Angelegenheit und doch einer Satire. Für mich klingt das nach einer Idee, die schon lange im Ideentopf schmurgelt, vllt schon jahrelang. Nun muss sie ans Licht, aber es hat inzwischen so viele Zutaten, dass man das eigentliche Gericht nicht mehr beim Namen nennen könnte.
 
Machen wir doch einen Krimi draus!
Und legen eine Leiche ab.
Dazu finden wir einen, der „es“ gewesen ist – und zwar jetzt sofort.
Dann ist der erste Schritt getan.
Ich kann mir nämlich durchaus denken, dass das Genre „Orchesterkrimi“ von dir soeben erfunden worden ist, dass du damit in Serie gehst. Später einmal.
Nimm also 90 Prozent deiner Ideen heraus und lege sie weg für spätere Projekte.
Mit den restlichen 10 Prozent fängst du jetzt etwas an.
 
Nun stellt sich die Frage: Der O-Wart ist DIE tragende Figur deines Werkes. In einem Krimi wäre er der Ermittler. Dafür muss er nicht einmal zur Polizei wechseln. Er kann etwas beobachtet haben, aber weil das Orchester ein organisch Ganzes ist, kann er es nicht in seine Teile zerlegen. Dann funktioniert das ganze Gerüst nicht mehr. Er wäre froh, wenn „es“ der Fiesling gewesen ist, so kommt er seiner Cellistin näher. Aber macht er sich dann nicht selbst verdächtig?
Wie auch immer. Mach deine Figur serientauglich. Möglich wäre, dass er ein ganz großes Phlegma hat, aber eben auch alles, wirklich alles, an ihn heran getragen wird. Nun kann man dem Phlegma zuarbeiten: schon sehr früh sagt ihm jemand, er/sie habe beobachtet, wie Figur A oder B die andere umgebracht hat. Das schert ihn nicht, da er ja phlegmatisch ist. Kommt das in Frage?
Ich würde die Ermittler-Figur nicht unbedingt transformieren wollen. Ich würde sie schon als eine Art „byronic hero“ anlegen, aber eben mit dieser Überzeichnung von Anfang bis Ende stehen lassen. Ich würde eine mit Phlegma versehene Figur immer nach einem Schlafplatz suchen lassen. Oder nach einer gemütlichen Couch. Wenn es eine Komödie wird, kann sie schlafend Gespräche belauschen, etc.
 
Ich würde dann sagen, du entscheidet jetzt erst einmal, wer gestorben ist und wodurch. Die Idee des Eichenprozessionsspinners ist eine sehr gute. Man geht ja bei Mord immer von einer offensichtlichen Tatwaffe aus. Wenn man nun einen Eichenprozessionsspinner hat, kann man den gut im „Mittelfeld“ mitlaufen lassen. Will sagen. Eine Pistole und Gift müsste man verstecken, aber eine Allergie kann man offen ausleuchten und die Analogie erkennt man erst im Showdown, auf den letzten Seiten.
 
Okay. Gehen wir es strukturiert an.
Ich stelle dir ein paar Dinge auf deine To-do:

1. Wer wird von wem umgebracht?
(Ja, lass eine Leiche mitspielen, dann kann man es besser als Krimi vermarkten)
2. Warum wird der Mord begangen?
3. Wer ist hauptverdächtig (und war es am Ende doch nicht)?
4. Wie fliegt das Ganze auf?
 
Alsdann plottet man von hinten: Stell dir vor, wie der Täter/die Täterin entlarvt wird.
Mach dir dann Gedanken, wie die Tat geschickt vertuscht und auf jemand anderes gelenkt worden ist. Womöglich machen sich gleich mehrere Figuren verdächtig. Dann notier dir deren möglichen Motive.
Nun ist es wichtig, den Mörder nicht erst im Schlussbild in Erscheinung treten zu lassen. Man sagt, er/sie müsse in einem Krimi im Mittelfeld immer mitspielen. Mittelfeld heißt: weder Hauptheldin noch Statist/in. Dir wird da was einfallen.
 
Also – wir lesen uns! :love:
 
Herzliche Grüße,
schickt Elke
 
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Re: Orchesterkrimi

Beitragvon Bettina » Fr 21. Jun 2019, 15:28  

Liebe Elke!
Wunderbar - damit kann ich gut was anfangen! Natürlich hatte mein Orchesterwart sich schon gefreut, am Ende des Krimis ein erfolgreicher Schriftsteller zu werden, dem die Mädels nur so zufliegen. Ob er ein Serienheld werden will, weiß er noch nicht. Aber Phlegmatiker warten eh mit allem erstmal ab...
Als Todesart hatte ich eigentlich Gift in dem Wassergläschen vorgesehen, in das Oboisten immer ihre Röhrchen tauchen. Aber eine heftige Allergie finde ich auch super. Meine Schwiegermutter hat eine lebensgefährliche Zimtallergie - und man glaubt gar nicht, wo überall Zimt drin ist! Da gibt es viele Möglichkeiten.
Die Sache von hinten aufzurollen hilft sehr! Eine Matheaufgabe, bei der ich die Lösung kenne und jetzt den Weg dorthin finden muss - das leuchtet mir sehr ein!
Vielen Dank! Jetzt gehts weiter! Nächste Woche im Sinfoniekonzert gucke ich mir meine Exkollegen nochmal an... 
Liebe Grüße!
Bettina
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Re: Orchesterkrimi

Beitragvon Bettina » So 30. Jun 2019, 18:05  

So, weil ich nicht weiß, wohin damit, habe ich meinen ausgearbeiteten Plot (wer ist Opfer, wer ist Täter, Motiv?) mal hier eingestellt. Kann man lesen, freue mich über jeden, der es tut!
BO 1
Im Orchester kochen die Emotionen. Orchesterwart Torsten hört und sieht fast alles, ohne selber beteiligt zu sein. Nur die junge Solocellistin Lara berührt auch ihn, den Phlegmatiker. Er ist hoffnungslos und heimlich verliebt in sie.
BO 2
Sascha, der Solooboist, hat ein Verhältnis mit Lara. Gerade beginnt er ein weiteres mit der Harfenistin Manon. Torsten sieht Laras Kummer und möchte sie gerne trösten. Er hört ein Gespräch zwischen Manon und Sascha, in dem beide sich gegenseitig verblüfft über ihre lebensgefährliche Zimtallergie berichten. Bei beiden reicht nur eine sehr kleine Menge zu einem allergischen Schock.
BO 3
Sascha tyrannisiert die neue 2. Oboistin. Sie ist noch im Probejahr und abhängig von seiner Unterstützung. Manuel, der Kontrabassist, beobachtet das mit zunehmendem Zorn, hat doch Sascha seine Schwester, die die Vorgängerin der jetzigen 2. Oboistin ist, auf ähnliche Weise aus dem Orchester geekelt.
BO 4
Während Sascha mit der Harfenistin anbandelt, erfährt Lara, dass sie schwanger ist. Saschas Reaktion ist vernichtend. Es kommt zu einem heftigen Knall zwischen Sascha und Kristoffer, dem Solohornisten. Beinahe hätten sich die beiden geprügelt. Die Dirigentin ergreift Partei für den hochbegabten Sascha, weil der einfach nicht zu ersetzen ist. 
BO 5
Auch Akiko, die Soloflötistin, hat einiges zu ertragen. Sascha findet, sie spiele zu laut. Er droht, die Probe zu verlassen. Wenn man ihn nicht mehr hören kann, muss er auch nicht bleiben. Die Dirigentin gibt Sascha recht. Akiko soll leiser spielen. Akikos Maß ist voll. Sie verlässt die Probe und erhält eine Abmahnung.
BO 7
Torsten trifft Lara in großer Verzweiflung. In einem tröstenden Gespräch erzählt er ihr versehentlich von Saschas und Manons Zimtallergie. Sie fantasieren gemeinsam scherzhaft darüber, wie man Sascha Zimt verabreichen könnte. 
HP
Als Torsten bei einer Probe sieht, wie Lara sich an dem Wassergläschen zu schaffen macht, in dem Sascha seine Oboenrohre einweicht, ist er alarmiert. Seine unschuldige Lara soll nicht zur Mörderin werden. Kurz vor Beginn der Probe geht er an Saschas Pult vorbei und schüttet das Glas um. Saschas folgenden Tobsuchtsanfall erträgt er. 
Inzwischen haben sich überall Gruppen gebildet: Unterstützer von Akiko, mit ungeheurem Zorn auf Sascha und die Dirigentin, die für ihn Partei ergreift; Freunde von Lara, die empört über Saschas Brutalität sind; eine Holzbläserclique, die mit Zorn die Demontage der neuen 2. Oboistin 
verfolgen. Torsten beobachtet und hört zu. 
Die Geschäftsführerin Ute ist völlig fertig: Ein Orchestermitglied nach dem anderen steht bei ihr im Büro, um sich über Sascha zu beschweren. Sie wünscht ihn in die Wüste - seit Jahren schon.
Auch Manuel ist schon mehrmals bei ihr gewesen, um ihr von Saschas Verhalten gegenüber der neuen Oboistin zu berichten. Immer ohne Erfolg.
GP
Nachdem Torsten beim Transport Manuels Kontrabass eine Macke zugefügt hat, lädt er ihn nach der Probe zum Bier ein. Er ist überrascht von Manuels heftigen Emotionen gegen Sascha. Die hätte er diesem sanften Menschen nicht zugetraut. Nicht mehr ganz nüchtern erzählt Torsten von seiner unerwiderten Liebe zu Lara und deren Kummer. Zusammen wünschen sie Sascha zur Hölle. 
Auf dem nächtlichen Weg nach der Probe wird Sascha von einer dunkel gekleideten zierlichen Person angegriffen. Keine schweren Verletzungen, nur sehr schmerzhafte Prellungen.
Außer Torsten weiß niemand im Orchester, dass Akiko Karate Meisterin ist. 
Premiere
Sascha erscheint nicht. Die Premiere kann nicht stattfinden. Die Geschäftsführerin telefoniert und hat die Polizei am Apparat. Sascha ist tot. Die Polizei stellt schnell einen allergischen Schock fest. 
Torsten ist erleichtert: von seinem Orchester kann es niemand gewesen sein. Alle waren im Theater. 
Und dann war es doch Manuel. Sein Mann arbeitet im ambulanten Pflegedienst bei Saschas Mutter. Er hat einen Schlüssel zur Wohnung. Manuel hat Saschas Tee mit Zimt gewürzt. Er gesteht es Torsten. Der verrät ihn nicht. Manuel arbeitet seine Schuldgefühle an Saschas Mutter ab, die er ab jetzt pflegt, als wäre es seine eigene.












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Re: Orchesterkrimi

Beitragvon barbara » So 30. Jun 2019, 18:52  

Liebe Bettina,


da warst du ja doppelt fleißig: Praxisaufgabe 1 überarbeitet und 2 gemacht! Respekt!


Es sind immer noch viele Leute, und etliche haben ein Motiv. Sogar der Leser wünscht sich vermutlich, dass der Fiesling von der Bildfläche verschwindet. Bei deiner Zusammenfassung hilft, dass du die Instrumente dazu schreibst.


Das Ende ist spitze! Keine juristische Gerechtigkeit für den Toten, aber eine soziale/moralische Wiedergutmachung durch den Täter. Der Beobachter bleibt beobachtend. Aber er bekommt seine Lara nicht.... Kann er damit glücklich werden? Oder wirst du eine Möglichkeit andeuten?


Ich bin nun auf die Atmosphäre gespannt, die du kreieren wirst. Es muss ja immer irgendwie Spannung in der Luft liegen. Und die Verhaltensweisen der wütenden Figuren müssen sich unterscheiden, der eine ist anders wütend als der andere. Sonst wären sie ja austauschbar.

Hast du noch Ideen für besondere innere oder äußere Erkennungsmerkmale für einige deiner Figuren? Stottern, gestische Macken, Kleidungsspleen, Kettenraucher/Pfeiferaucher, Putzfimmel....? Das würde die Kontrastierung der Figuren vielleicht verbessern und dem Leser das Erkennen erleichtern. 


Liebe Grüße und bis morgen zur 2. Aufgabe... Oder heute Abend schon?


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Re: Orchesterkrimi

Beitragvon Bettina » So 30. Jun 2019, 20:09  

Oh, danke, Barbara, dass du das gelesen hat!
Ja, ich habe für das gesamte Personal Eigenschaften und -heiten! Hat großen Spaß gemacht! Ich glaube wirklich, dass man sie in Kombination mit ihren Instrumenten oder ihrer Funktion (Dirigentin, Geschäftsführerin) auseinanderhalten kann. Wunderbar, dass dir mein Schluss gefällt! Ich habe soo viele ausprobiert...
Wir lesen uns!
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Re: Orchesterkrimi

Beitragvon Elke » Mo 1. Jul 2019, 10:32  

Hallo Bettina,
das klingt schon mega ausgefeilt.
Toll. Wir kommen zwar noch zur Spannungsverteilung, aber desto mehr du fertig hast, umso besser.
Sehen wir im ersten Bild die Leiche?
Das war meine spontane Idee. Dann hätte "es" jedeR gewesen sein können, was es ja sehr spannend macht.
Das Ende finde ich grandios ausgedacht.
Super bis hierher. :applause:
Herzliche Grüße, Elke
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